Biber – Architekten und Baukünstler in der Natur

Biber – Architekten und Baukünstler in der Natur

7. März 2019 0 Von Conny Keule

Der Biber - Castor fiber - und seine Lebensweise

Seit etwa 15 Millionen Jahren lebt der Biber im deutschen Raum...

Bis ins 19. Jahrhundert hat er es geschafft und war dann nahezu verschwunden. Wie immer aus Interesse am Pelz, aber auch am Fleisch des Biber und dem sogenannten "Bibergeil", welches magische Kräfte gehabt haben soll. Ich denke mal, ähnlich wie in China, wird es zur irrwitzigen Potenzsteigerung Einsatz gefunden haben. So wurde der Biber gejagt und fast ausgelöscht. 

Aufgrund des allgemeinen ökologischen Aufschwungs in den 60er Jahren wurde der Biber wieder angesiedelt und fand so den Weg zurück in unsere Landschaft. Heute kannst du den Biber an vielen Gewässern beobachten. 


Bibercheck

Selbstverständlich bin auch ich auf die Pirsch gegangen und habe den Biber an der fränkischen Saale gefilmt. Zu sehen ist, wie er gerade eben oben erwähntes Bibergeil los wird, um sein Revier zu markieren. Dank Patrick, einem erprobten Stand Up Paddler und Bibermagneten, sind wir ganz nah an die Tiere ran gekommen.


Der Biber als unverzichtbarer Baumeister in der Natur

Wie du vllt. schon sehen konntest, knabbert der Biber an einigen Bäumen herum. Wer so steinalt ist, wie ich, kennt sicher noch die Werbung mit der Zahnpasta: "Hallo Herr Biber" von Dentagard. Denn wer hat bessere Zähne, als jemand, der damit ganze Baumstämme umlegen kann? Diese nutz er, um Dämme zu bauen und die Landschaft zu gestalten. Man könnte meinen er hat ein eingebautes Diplom in Architektur. Viele Menschen laufen an solchen Stellen vorbei und beschweren sich, was der Biber schon wieder alles kaputt gemacht hat. 

Wenn du schon mal ein Haus gebaut hast, weißt du, was alles dabei zerstört wird und dass dabei unweigerlich wertvolle Natur verloren geht und Fläche versiegelt wird. Ebenso bei Einkaufszentren, beim Straßenbau, beim Bau von Dämmen zur Stromversorgung usw. usf. Unsere Städte sind landschaftsfressende Naturvernichter Nummer 1! Kaum zu glauben, dass es einem Menschen dann einfällt seine Schmach auf einen echten Naturunterstützer und -bewohner zu projezieren.

Wo der Biber seine Baukünste und ganzen Fähigkeiten einsetzen darf, gelingt es ihm Vielfalt in der Gewässerstruktur zu schaffen, er baut ja auch ständig und andauernd rum, wozu ein Mensch gar keine Zeit hätte... und dessen Arbeitseinsatz auch viel zu teuer wäre... 

Er sorgt für die Ausbreitung von Gehölzen an den Gewässern und managed die Sedimentierung. Auch die Selbstreinigung der Gewässer erhöht sich wieder. Gesamtwirtschaftlich betrachtet, um nur mal mit den Worten der Schlauesten unserer Schlauen im Land zu reden, spart Deutschland jede Menge Kohle, wenn der Biber sich frei austoben darf - ohne das Gemotze von Nichtwissenden.


Denn was genau passiert denn, wenn der Biber in der Landschaft aktiv wird? 

Durch mehrere Untersuchungen und für den Biber bereitgestellte Flächen, fand man heraus, dass die Artenvielfalt durch den Einsatz dieses Tieres massiv anstieg. Die Fischarten in dem Gewässer, in dem der Biber aktiv war, verdoppelte sich sogar. Durch den Bau der Dämme, fand man heraus, wird Hochwasser zurückgehalten und der Einsatz des Bibers sorgt garantiert für eine kostengünstigere Renaturierung als jeder stümperhafte, vom Menschen versuchte Einsatz.

In unserer Region können wir beobachten, dass unser Fluss an Wassermenge abnimmt - jährlich. Die Gegend droht auszutrocknen. Natürliche Strukturierung durch den Dämmebau des Bibers sorgt dafür, dass der Grundwasserspiegel, auch in Trockenzeiten, hoch ansteht und ausreichend Totholz im Gewässer verweilt, was wiederum positive Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat. 

Kurz - der Biber schafft Kreisläufe und nur so funktioniert unsere heilige Natur. Wenn du meine Blogbeiträge verfolgst und auch meine Themen auf Youtube, wirst du feststellen, dass es immer um Gleichgewicht und geschlossene oder in sich greifende Kreisläufe geht. Das ist die Funktionsweise des Lebens. Alles was eingreift, zerstört diese Ökomaschine und das macht der Mensch. Der Mensch ist (noch) nicht in der Lage sich an die Natur anzupassen und Kreisläufe mitzugehen. Von daher ist er der einzige und auch damit größte Zerstörer überhaupt. 

Biber sind übrigens die Oberschützer, was die besonders sensiblen und schützenswerten Arten angeht, wie z.B. Röhrichtbrüter, verschiedene Froscharten und Libellenarten; all jene, die unverzichtbarer Bestandteil natürlicher Nahrungsketten sind. Er stellt also das natürliche Gleichgewicht wieder her!

In einer Interessanten Studie wurde auch herausgefunden, dass allein schon der Verlust einer Vogelart und damit der verschwundene Klang im Wald dazu beiträgt, dass weitere Arten, Sang und Klanglos, verschwinden. Ist das nicht ein Horror? Auch der Wolf ist ein wertvoller und wichtiger "Wächter der Natur". Ähnlich wie der Biber sorgt er für das Gleichgewicht und das Zurückkehren von Arten im Ökosystem. Ich finde das fantastisch und krass zugleich, denn jeder, der diese Zeilen liest weiß, dass momentan eine Hetzjagd auf den Wolf bewilligt wurde. Warum? Weil in Deutschland die Menschen mit der meisten Angst leben. Bedauerlich für die Menschen, die damit einverstanden sind, vor allem, weil sie nicht verstehen, dass sie ihren eigenen Kindern damit die Zukunft häßlicher machen. 

Weil Wolf und Biber so eine Powerauswirkung auf die Artenvielfalt haben, nennt man solche Arten auch "Schlüsselarten" in einem Ökosystem. Solange der Biber also da ist, ist auch eine echte Revitalisierung und Artenvielfalt gewährleistet. 


Und heute mal zum Schluss, was der Biber noch so alles kann - ein kleiner liebevoller Steckbrief

Ähnlich wie bei Haien wachsen dem Biber die Nagezähne ständig nach und was noch bewundernswert ist, er hat selbstschärfende Zähne. Er pflegt sein Fell mit Bibergeil, welches dieses wasserdicht macht. Selbstverständlich ist er ein perfekter Schwimmer und Taucher. Sicher hast du schon mal seinen flachen Schwanz gesehen; man nennt diesen Kelle, welche als Ruder und zur Fettspeicherung dient. 

Beim Tauchen kann er Ohren und Nase verschließen und 20 Minuten, ohne Luft zu holen unter Wasser bleiben. Ich dachte immer Biber fressen Fische, aber sie ernähren sich tatsächlich rein vegan, also Wasserpflanzen, sowie Gräser und Kräuter, Rinden und Zweige und braucht davon aber 3-4 kg am Tag.

Somit ist dieser Meister ständig in Action. Wenn er nicht gerade an seinem Damm oder eigenem Biberbau bastelt, dann frisst er oder umsorgt seine zwei bis vier Jungen, die im Zeitraum zwischen April und Juni auf die Welt kommen. Im Gegensatz zu uns Menschen tragen die Biber nur 3 Monate. Sie leben und lieben jeweils nur einen Partner.

Wie du ja weißt lebt Mr. Beaver an Gewässern. Etwa 2km Flußlänge reichen für eine ganze Biberfamilie. So ein ausgewachsenes Tier kann schon 30-40 kg schwer werden und ein Alter von 10-25 Jahren erreichen.

Es ist zu hoffen, dass die Natur mit ihren wundervollen Geschöpfen über die Angst und Blödheit der heutigen Menschen siegt bzw. auch über die Gier von Influencern. Wir alle schöpfen täglich, der eine Gutes, der andere Schlechtes. Der Biber schöpft aus dem Urgeist zum Wohle von Mutter Erde, ganz so, wie es uns als Menschen einst aufgetragen wurde, als wir auf die Erde geschubst und mit Verantwortung beauftragt wurden. 

Alles Gute allen Tieren dieser Erde wünscht, Conny Keule